Der spurtstarke Norweger Henrik Ingebrigtsen lag als Vierter gerade einmal eine Hundertstel dahinter (13:40,86). Das Rennen verlief meisterschaftstypisch: Bummelrennen über 3000 Meter, deutliche Beschleunigung und Vorsortierung des Feldes auf dem vierten Kilometer und Spurt „auf Teufel komm raus“ auf den letzten Runden.

Richard Ringer war ab der Hälfte des Rennens immer mit an der Spitze. „Vom Rennverlauf her kam mir vieles entgegen. Ich hatte auf der Zielgeraden freie Fahrt und wurde von keinem behindert. Auch wenn es sehr knapp war. Ich habe nicht Gold oder Silber verloren, sondern Bronze gewonnen“, nimmt das Aushängeschild der Häfler Leichtathletikabteilung im VfB Friedrichshafen diSache sportlich.

Platz sieben deutlich dahinter erreichte, in 13:45,40 Minuten, der Regensburger Florian Orth. Ringers Trainings- und VfB LC-Kollege kam knapp dahinter auf Platz zehn des 20- köpfigen Starterfeldes. Trainer und Vater Eckhardt Sperlich hatte am Sonntagmorgen beim Frühstück den Kaffesatz analysiert und folgendes verkündet: „Richard gewinnt eine Medaille und Martin läuft unter die Top Ten.“ Besser kann man mit einer Prognose nicht liegen.

Leider waren die Hoffnung auf ein schnelles Rennen bereits nach zwei Bummelrunden geplatzt, sie hätten Martin Sperlich noch Richtung Olympianorm führen können. Mit 24 Jahren hat der Masterstudent allerdings noch zahlreiche Gelegenheiten, bei internationalen Meisterschaften zu starten. Seinen ersten Auftritt im Nationaltrikot hat er jedenfalls glänzend gelöst. Der drei Jahre ältere Richard Ringer klopfte 2013 im gleichen Alter erstmals in der internationalen Klasse an und gewann ebenfalls Bronze bei der Universiade. Im EM-Finale von Zürich (2014) wurde er Vierter, bei der Hallen-EM in Prag (2015) belegte er Platz fünf. Zwei Sieger bei der Team-EM und insgesamt neun deutsche Meistertitel gehen bisher auf sein Konto.

Schon in Zürich war Ringer best platzierter deutscher Läufer, diesmal einziger Einzel-Medaillengewinner bei den Männern in den Laufdisziplinen. Nur noch die Sprintstaffel gewann ebenfalls Bronze. Trotzdem ist der bescheidene Athlet immer noch dem B-Kader zugeordnet und war bezüglich der Olympiaförderung nur zweite Kategorie. Darüber sollte der Deutsche Leichtathletikverband ruhig einmal nachdenken. Nach dem Rennen ist vor dem

nächsten Rennen und nach dem Erfolg vor dem nächsten Erfolg. In einen Monat beginnen die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro. Ringer ist qualifiziert und will sein Ergebnis der Weltmeisterschaften von Peking verbessern. Mit breiter Brust kann der EM-Dritte jetzt nach Rio reisen. Wenn er diese auch noch nach vorne wirft wie beim Zieleinlauf in Amsterdam, kann er vielleicht auch dort sehr weit vorne landen.